GEDANKEN AM WOCHENANFANG

Gestern habe ich zusammen mit einem Freund, einen Artikel über Spanien geschrieben. Eines der Themen die darin behandelt werden, ist der giftige Cocktail dem dieses Land ausgesetzt ist. Er besteht aus der mangelnden Aufarbeitung des Bürgerkriegs und des Franco-Regimes, sozialer Ungerechtigkeiten und einer atemberaubender Korruption innerhalb der etablierten Polit-Eliten.

Mein persönliches Fazit: Der Faschismus in Spanien ist nie wirklich verschwunden, er hat sich lediglich für eine Weile zurück gezogen, um in demokratischem Gewand wieder zu erscheinen. Spanien brauchte nach dem Ende der Diktatur Anschluss an Europa und ein offen auftretender Faschismus wäre dabei nur hinderlich gewesen. Also gab man sich einen konservativen Anstrich, der durchaus Salon fähig war und ist. Mit dem Aufkommen des Neoliberalismus, welches in meinen Augen nichts anderes als ein bunt angemalter Faschismus ist, lässt man seit geraumer Zeit nach und nach die Maske fallen.

Realität nicht wahrnehmen können

Wer nun glaubt das wäre nur in Spanien so, der irrt in meinen Augen. Zur Genüge haben wir das Menschen verachtende Schmierentheater in Griechenland vorgeführt bekommen, in Portugal und Spanien war es auch nicht anders. Überall in ganz Europa ist dieser verkleidete Konsumfaschismus auf dem Vormarsch, somit auch hier in Deutschland. Die Rechte der Parlamente werden nach und nach gekappt und die Bevölkerung ihrer Würde und Selbstbestimmung mehr und mehr beraubt. Das können oder wollen viele nicht glauben, weil nichts ist, was nicht sein darf. Da wirft man sich lieber offenen Auges einer sogenannten Alternative für Deutschland in die Arme, die nicht nur das gleiche will wie die etablierten Parteien, sondern obendrein bereit ist Menschenrechte offen mit Füssen zu treten. Man könnte meinen, dass viele die Realität nicht wahrnehmen können oder wollen.

Deutschland hat das selbstständige Laufen verlernt. In den Jahren nach dem Krieg, hat man der Bevölkerung immer und immer wieder ein Schuldbewusstsein eingebläut, für die Generation die den Krieg miterlebt und miterlitten hat, ist es ja noch nachvollziehbar, allein schon aus dem Grund, weil man sich der tausenden Mitläufer und auch Mittäter bedienen musste um einen neuen Staat aufzubauen. Die folgenden Generationen haben aber diese Sippenhaft einfach nicht verdient. Das Deutschland welches ich kennen gelernt habe war Welt offen und hat sich für die Einhaltung von Menschenrechten eingesetzt, war in der ganzen Welt geachtet. Leider hat sich aber in den letzten Legislaturperioden, nicht erst seit Merkel oder Schröder, sondern schon früher eine Wandlung mit der Politik vollzogen, die große Teile der Menschen in Mitleidenschaft gezogen hat. Dabei sind Empathie, Solidarität und Mitgefühl zu leeren Worthüllen mutiert.

Nicht gegen die USA und nicht gegen Russland

Mit Merkel ist jemand auf dem politischen Parkett erschienen, der von dem größten Teil der Bevölkerung vollkommen falsch eingeschätzt worden ist. Sie hat sich an einer politischen Balz beteiligt, deren Regeln sie wohl selber nicht richtig kannte und ihre Tragweite nicht einschätzen konnte. Das Kapital, die Konzerne, alle  haben sie hofiert und ihr einen roten Teppich ausgerollt. Der aber hat sie und unser Land geradewegs zwischen zwei Mühlsteine geführt, zwischen denen unser Land zermahlen werden könnte. Die USA sind nicht (mehr)  die Freunde die wir dachten und Russland nicht der Freund den wir uns erhoffen. Beide Länder verfolgen knallhart Geo-strategische Ziele und unsere sogenannten Vertreter in Berlin haben aus unserem Land einen Spielball dieser Interessen gemacht. Spätestens jetzt wäre es an der Zeit, dass man sich positioniert. Nicht gegen die USA und nicht gegen Russland, sondern für Europa und ja, auch für Deutschland.

Es mag gut sein, dass am Anfang des Konstrukts, welches wir jetzt als Europäische Union kennen, ein nobler Gedanke stand. Unter dem Eindruck des nicht lange zurück liegendem Weltkrieges haben jene welche ihn miterlebten und mit erlitten, die Idee eines geeinten Europas geschaffen um das Grauen in Zukunft zu vermeiden.

Deutschland ist Capo und Lakai

Die Zeiten ändern sich jedoch und die Menschen vergessen schnell, was sie nicht am eigenen Leib erlebt und erlitten haben. In Europa und in den einzelnen Regierungen haben sich Bürokraten und Technokraten ausgebreitet, das was Europa außer der natürlichen Vielfalt ausmacht, das sind die Menschen, mit all ihren Eigenheiten, Sitten und Gebräuchen und nicht zuletzt durch ihren unterschiedlichen Sinn für Humor. Sie alle sind Europa und wir in Deutschland sind ein Teil davon. Diese Vielfalt ist über tausenden von Jahren entstanden, nicht durch Ausgrenzung, sondern durch Austausch und Aufnahme. In vielen langen und blutigen Konflikten ist es dann gelungen einigermaßen, innerhalb Europas, zur Ruhe zu kommen. Dies alles hat kaum Beachtung gefunden, hier und da gab es ein wenig Makulatur um kritische Bürger zu beruhigen, der Fokus liegt jedoch seit Jahren auf den Interessen des Kapitals. Kein Land ist davon verschont. Deutschland erfüllt dabei leider die Doppelrolle des Capo und des Lakais eines fremden Herrn.

Die Rolle des humanistischen Vermittlers dürfte Deutschland wesentlich besser stehen und mehr Respekt in der Welt und bei den europäischen Nachbarn einbringen. Mir scheint aber, dass momentan Menschen am Werk sind, denen es letztendlich um die Erringung oder um die Erhaltung der Macht geht und sich keinen Deut darum scheren, welchen Schaden der Ruf Deutschlands dabei erleidet.. Einerseits sind es Menschen, die dabei mitgeholfen haben, das Leben von zig tausenden in anderen Ländern negativ zu beeinflussen. Länder, von denen man behauptet, dass es Partner seien! Im eigenen Land übt man mit Billigung des eigenen Volkes, seit Jahren nicht nur den sozialen, sondern auch den demokratischen Kahlschlag. Andere Regierungen wären froh solch einer Bevölkerung vorzustehen, die sich immer weiter ausquetschen lässt, mit murren zwar, aber mit der vermeintlichen Gewissheit, dass ihre bezahlten Vertreter schon wissen werden was sie tun. Dann gibt es jene, die sich für Politiker halten, aber letztendlich nichts anderes sind, als Opportunisten, welche die Unzufriedenheit, Sorgen und Ängste, mit demagogischen Mitteln für ihre Zwecke ausnutzen.

Alle Seiten vergessen zu viel

Den eigentlichen Souverän, das Staatsvolk welches wir alle sind, kann und darf ich nicht  verschont lassen, denn für diese Misere ist er mitverantwortlich. Ich habe es schon mehrere Male geschrieben, es ist nicht damit getan, alle vier Jahre zur Wahl zu gehen und die Stimme zum Verwalten abzugeben. Wenn wir unsere Stimme an der Urne abgeben, dann sprechen wir Parteien und den Menschen die diese ausmachen, unser Vertrauen aus, sie werden mit dem Geld des Souveräns und dessen Vertrauen entlohnt. Das ist etwas, was beide Seiten zu einem großen Teil vergessen haben. Heutzutage zählt keine Ausrede und keine Entschuldigung mehr, man habe nichts gewusst. Jeder hat in diesem Land die Möglichkeit zu recherchieren, sich zu informieren. Jeder hat Zugang zu unserem Grundgesetz und kann selber feststellen ob es eingehalten wird oder nicht und selbst wenn man manche Gesetze nicht versteht, so gibt es genügend Möglichkeiten sie sich erklären zu lassen. Nicht nur das, begreift man was im Grundgesetz steht, weiß man, wer ihm zuwider handelt oder die Absicht dazu hat.

Jeder, dem die Würde des Menschen, Mündigkeit, freie Meinungsäußerung, Selbstbestimmung, Gleichheit der Geschlechter, Solidarität, Bewahrung einer gesunden, intakten Natur als Erbe für unsere Nachkommen, Bewahrung des Friedens und soziale Gerechtigkeit, hohe und unverhandelbare Güter sind, müsste angesichts der aktuellen Zustände in Europa und unserem Land schon längst vereint und friedlich auf der Straße sein, um ein unübersehbares Zeichen zu setzen, nicht nur ein Mal, sondern so oft es nötig ist. Wenn die Politik es nicht wahrnimmt oder es nicht wahrnehmen will, müssen wir uns als Bürger von den Rechten Gebrauch machen, die uns im Grundgesetz als Bürger garantiert werden Gebrauch machen und uns endlich als Bürger dieses Landes emanzipieren, denn letztendlich sind wir die große Mehrheit, die unser Land am leben erhalten, es mit Leben füllen. Wir sind diejenigen, die kreativ und produktiv sind, nicht die etablierte Politikerkaste und auch nicht das Kapital. Das ist nicht nur in Deutschland so, das ist überall auf der Welt so. Die Menschen müssen es nur erkennen.

Wir müssen Chancen nutzen

Sollte es uns hier in Deutschland gelingen, uns vom Establishment und von demagogischen Trittbrettfahrern zu befreien, würde es meines Erachtens eine Signalwirkung auf ganz Europa haben, an dere würden uns mit Sicherheit folgen, denn wie Victor Hugo ein Mal gesagt haben soll: „Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“

Die Chance ist da, wir müssen sie nur nutzen.

 

 

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